2019

Rendezvous mit einer Leiche

Rendezvous mit einer Leiche (1) Rendezvous mit einer Leiche (2)

Von unehrenhaften Eheleuten über eine Magd in Reizwäsche bis hin zum stotternden 30-jährigen Mamasöhnchen: In Kirchehrenbach erleben Theater-Fans die ganze Bandbreite schräger Komödien-Charaktere. Bei den ersten beiden Aufführungen stimmte alles: Themenwahl, schauspielerische Leistung und Bühnenbild. Das deftig angehauchte Boulevardstück „Rendezvous mit einer Leiche“ von Jutta Gutzeit wurde zu einem vollen Erfolg. Vor dem Hauptstück sorgten die beiden Nachwuchsspieler Samuel Heinlein und Jannis Keilholz mit dem Sketch „Das Quiz“ beim Publikum für zahlreiche Lacher.

„Je mehr Leute, desto mehr Gaudi – und desto mehr Einfallsreichtum, der das Stück bereichert!“ so Sabrina Meußel, die mit dem Stück ihr Regiedebüt verdient feierte.

Die Kriminalkomödie bedient alle Klischees: Die Eheleute Robert (Simon Albert) und Mathilde (Lena Gebhardt) wollen ihrem eingeschlafenen Eheleben mit einer heimlich aufgegebenen beziehungsweise beantworteten Annonce entfliehen. Diverse Verwechslungen, Männer in Frauenkleidern, zickige Weibsbilder, ein Mega-Macho, ein Stotterer und eine geldknappe, kupplerische Mutter mit einer handysüchtigen Tochter. Dazu: Eifersucht und Wutanfälle, ein letztlich verhinderter Ehebruch mit Reue und neuer Hoffnung. Und als Hauptrequisit eine Leiche, die mal in der Truhe, mal im Schrank aufzufinden ist und am Schluss mit einem Fußtritt ins Aus befördert wird. Die Schauspieler agierten mit Begeisterung und beachtlichem Talent, allen voran Johannes Pieger als Ralf beziehungsweise „Schakeline“, sowie Eva Roppelt als „gefühlte Frau“, eifersüchtiges, resolutes und gschnappiges Zimmermädchen Marlene. Macho-mäßig mit viel Spielfreude verkörpert wurde das selbstherrliche Objekt ihrer Begehrlichkeit, Stallknecht Sepp, von Ralf Postler. Aufmunternde Wirkung hatte der Beifall auf den stotternden, liebesunerfahrenen Wirtssohn Klaus (Manuel Trautner), den schüchternen DHL-Boten Alfonso (Oliver Hieber) und die exaltierte, mit ihren Wimpern klimpernde Frau Pasch (Claudia Götz). Als Roberts vernachlässigte Ehefrau gefiel Lena Gebhardt. Ebenso überzeugte ihre Freundin Lore (Steffi Albert), die den geplanten Seitensprung stirnrunzelnd missbilligt.

Eine tragende Rolle, die sie sehr warmherzig und verschämt verliebt verkörperte, kam Sabrina Meußel als verwitweter Wirtin Ilse zu, die als liebe, naive Seele glänzte.

Monika Paschs Tochter Janina (Jana Gebhardt), die anfangs imaginäre Fliegen verscheucht, vergafft sich entgegen aller psychologischen Wahrscheinlichkeit ausgerechnet in der Stotterling Klaus. Der Einsatz des umsichtigen Polizisten Ferdinand Obacht (Jonas Pieger) ist lobenswert, glücklicherweise aber überflüssig.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.